[presse] DI, 28. Juni, 10:00: BM Gehrer flüchtet vor Preisverleihung
quintessenz
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Tue Jun 28 19:54:01 CEST 2005
DI, 28. Juni, 10:00: BM Gehrer flüchtet vor Preisverleihung
im Museumsquartier; Museumsplatz 1-5; 1070 Wien
Wir bitten um Berichterstattung.
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Medieninformation im Auftrag der
BIG BROTHER AWARDS AUSTRIA 2005
http://www.bigbrotherawards.at
Wien, 28. Juni 2005
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Museumsquartier: BM Gehrer flüchtet vor Preisverleihung
Übung macht die Meisterin: Angesichts der drohenden Übergabe des Big Brother
Awards für ihr Lebenswerk in Sachen Überwachung und Datensammlung zog es
Ministerin Elisabeth Gehrer heute vor, ungesehen im Untergrund aus dem
Museumsquartier zu verschwinden.
Die Veranstalter der Big Brother Awards, vertreten durch den im MQ Wien
ansässigen Verein q/uintessenz, wollten die gemeinsame Pressekonferenz des
Museumsquartiers und der Ministerin nutzen, um den Negativ-Preis, den BM
Elisabeth Gehrer bislang drei mal gewonnen hat, persönlich zu überreichen.
Die Leitung des Museumsquartiers schützte allerdings den geordneten Ablauf der
Veranstaltung und das Leben der Ministerin mit höchstem persönlichem Einsatz
- wenn es drauf ankommt, hat Ordnung eben immer noch Vorrang vor
zeitgenössischer Kultur.
Die geplante Besichtigung des Quartier 21 durch die Ministerin, für die die
ansässigen Initiativen aufgefordert wurden, für Sauberkeit und Ordnung zu
sorgen (und nicht für angemessene Präsentation ihrer Aktivitäten), fand
dementsprechend nicht statt.
Offenbar auch zu Ehren der Ministerin wurde während ihrer Anwesenheit im MQ
die erste von 27 Überwachungskameras installiert.
Im Anschluß finden sie den für die Überreichung vorgesehenen Pressetext:
Die zentrale Bildungsevidenz verknüpft Ausbildungsdaten bis zu Betragensnoten
mit der Sozialversicherungsnummer und dem beruflichem Werdegang und sieht
eine 75jährige Speicherung der persönlichen Daten samt weitreichender
Datenweitergabe und Vernetzung vor. Erst 60 Jahre nach der letzten
Eintragung darf man mit einer Löschung eines Eintrages über mangelhaftes
Betragen in der Volksschule rechnen. Berücksichtigt man die Schulpflicht von
15 Jahren, dann ergibt das eine Speicherdauer von 75 Jahren. Selbst
Kriminelle haben nach einigen Jahren Anspruch auf Tilgung aus dem
Strafregister. Wer in die Schule geht bekommt lebenslänglich.
Für dieses Lebenswerk bekam Frau BM Elisabeth Gehrer den Big Brother Award
2004 in der Kategorie Lifetime Achivement - zum dritten mal in Folge. Und so
musste diese Kategorie heuer zum zweiten mal ausgesetzt und in
"Lebenslanges-Ärgernis-Elisabeth-Gehrer-Preis" umbenannt werden.
2004: Kategorie LIFETIME ACHIEVEMENT "Lebenslanges-Ärgernis-Elisabeth-
Gehrer-Preis ..."
Die bisherige Kategorie LIFETIME ACHIEVEMENT wird heuer in "Lebenslanges
Ärgernis-Elisabeth-Gehrer-Preis für die nachhaltigste Annäherung an die
Romanvorlage 1984" umbenannt. Stichwort: Betragensnote sechzig Jahre lang
speichern.
Wäre die Bildungsevidenz schon in Kraft gewesen als George Orwell im Jahr 1948
seine Novelle 'Neunzehnhundertvierundachtzig' schrieb, wären die Daten auch
all jener Schüler die zu diesem Zeitpunkt ihre schulische Laufbahn beendeten,
von Gesetz wegen noch heute erhalten. Die Verleihung dieses Awards wird heuer
zum zweitenmal ausgesetzt.
http://www.bigbrotherawards.at/2004/nominees/winners.php
2003: Kategorie LIFETIME ACHIEVEMENT
Hier hat die Jury im fünften Jahr der Awards einen unüblichen Schritt gesetzt.
Angesichts dessen dass die Datenerhebungen in den Schulen zwecks Erstellung
einer so genannten "Bildungsevidenz" gerade jetzt operativ umgesetzt werden,
dass mindestens eine der beiden Schulen nominiert wurde, weil sie schlicht
eine Initiative aus dem Unterrichtsministerium umsetzt dass durch die
"Bildungsevidenz" Österreichs Ruf im Ausland als Republik der Untertanen
weiter gefestigt wurde, dass der Staat derartige Datenspeicherungsmaßnahmen
an seinen Bürgerinnen/en dann ausführt, wenn sie sich mangels Volljährigkeit
noch nicht dagegen wehren können.
All das hat die Jury bewogen, die Verleihung eines Lifetime Achievement für
2003 auszusetzen und auf das Lifetime-Achievement von 2002 zu verweisen -
Elisabeth Gehrer.
http://www.bigbrotherawards.at/2003/nominees/winners_2003.php
2002: KATEGORIE LIFETIME ACHIEVEMENT
Laut Erlass 38.000/11/Z/3-2001 ist der umfassende Einsatz von
Chipkarten/Biometrie in den Alltag - Bibliothek, Labor- und
Sportstättennutzung an Österreichs Schulen geplant. Nicht nur bei bestehenden
Schülern/Studenten wird die Sozialversicherungsnummer erhoben, sondern auch
nachträglich bei Absolventen. Letzteres ist nicht einmal durch das
Bildungsevidenzgesetz gedeckt. Mit dem sogenannten
Bildungsdokumentationsgesetz wird neben den Stammdaten auch ein Wust von
persönlichen Daten der Schüler erhoben und verarbeitet.
Religionsbekenntnis, "festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf",
"Eigenschaft als ordentlicher oder außerordentlicher Schüler", Teilnahme an
Unterrichts- und Betreuungsangeboten, Schulerfolg, die Schul- bzw.
Unterrichtsorganisation, Bildungsverlauf, Inanspruchnahme von
Transferleistungen aus dem Familienlastenausgleich usw. All das mit
unbestimmtem Löschdatum.
In dieser Benimm- und Betragensdatenbank des Grauens wird auf immerdar
gespeichert, was bis jetzt der Gnade des Vergessenwerdens anheim gefallen
ist: von den Dummheiten der Schulzeit bis zu intimen persönlichen Daten.
Verantwortlich dafür zeichnet Frau Bundesminister Elisabeth Gehrer.
http://www.bigbrotherawards.at/2002/winners/2002.html
BIG BROTHER AWARDS 2005
Beinahe täglich ist von Videoüberwachung, kommerzieller Verfügbarmachung
persönlicher Daten zu lesen. Selten nur werden in diesen Schlagworten die
Verletzungen und Kommerzialisierung der Privatsphäre gesehen, die sie schon
sind oder im Handumdrehen sein können. Auch wenn z. B. die Argumente für die
Videoüberwachung des öffentlichen Raumes oder den Einsatz von Chipkarten
scheinbar nach erhöhter Sicherheit und minimierter Bürokratie klingen mögen:
die Gefahr von Missinterpretation und Missbrauch folgt ihnen auf dem Fuß.
Überwachung und Kontrolle etwa führen notgedrungen zur Normierung des
Verhaltens, zur "Uniformierung" der Bürger. Wer macht sich wodurch
verdächtig? Längeres Stehen am U-Bahn-Ausgang? Suspekt! Und: Sind die Daten
einmal gesammelt, stellen sie ein wertvolles Gut und wecken durch ihre
Kostbarkeit auch Begierden, die sich hinter den Mauern von Nützlichkeit und
Sicherheit perfekt tarnen.
Die Kategorien der Big Brother Awards spiegeln die traurige Bandbreite wieder:
Business und Finanzen, Politik, Behörden und Verwaltung, Kommunikation,
Lifetime Achievement sowie People's Choice heißen die Kategorien, aus denen
es zur Normierung von Unternehmen, staatlichen Organen, Organisationen und
PolitikerInnen kommt - nach sorgfältiger Recherche durch die Trägervereine.
Seit Jahren beschäftigen sich die Fachleute von q/uintessenz, vibe!at und
Verein zur Förderung Freier Software mit den Themen rund um die Verletzung
der Privatsphäre sowohl in Österreich als auch auf internationaler Ebene.
Auch heuer kommt bzw. kam es in vielen Ländern zur Verleihung der Big Brother
Awards. Und jährlich werden die Themen mehr. Stichwort Zensur z. B., zu dem
Sie, liebe JournalistInnen, vielleicht auch eine Stimme abgeben wollen:
http://www.bigbrotherawards.at/2005/nominees/index.php
Aus allen durch Fachleute und Öffentlichkeit eingebrachten Vorschlägen
ermittelt eine breit gefächerte unabhängige Fachjury - ExpertInnen aus den
Bereichen Medien, (Rechts)Wissenschaft und Kunst die GewinnerInnen der BIG
BROTHER AWARDS 2005. Die feierliche Preisverleihung erfolgt wie immer am
Vorabend des Nationalfeiertags, 25. Oktober 2005 im Wiener Rabenhof Theater –
mit nahtlos anschließender berühmt-berüchtigter Big Brother Party.
VERANSTALTER der BIG BROTHER AWARDS AUSTRIA:
q/uintessenz: Verein zur Wiederherstellung der Bürgerrechte im
Informationszeitalter: http://www.quintessenz.at
vibe!at: Verein für Internet-Benutzer Österreichs: http://www.vibe.at
Verein zur Förderung Freier Software: http://www.ffs.or.at
Online: http://quintessenz.at/info/2005_06_28_Lebenslang_BM_Gehrer-PR-Text.txt
Auf Ihre Berichterstattung freuen sich und stehen für Fragen zur Verfügung:
quintessenz, c/o Museumsquartier, Museumsplatz 1-5, 1070 Wien
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Doris Kaiserreiner: 0676-94 516 94
Christian Mock: 0676-841 786 316
Chris Jeitler: 0699-192 40 377
Peter Kuhm: 0676-315 86 23
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