[presse] Big Brother Awards: Prokop - Schüssel - Gusenbauer sind nominiert
Big Brother Awards
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Mon Oct 17 16:53:23 CEST 2005
Big Brother Awards: Prokop - Schüssel - Gusenbauer sind nominiert
Positiv-Award "Defensors Libertatis" geht an das EU Parlament
Wien, 17. Oktober 2005 - Demokratisch gewählte Politiker, die in ihren
Entscheidungen oft vergessen, von wem die Macht eigentlich ausgehen sollte,
werden bei den Nominierungen der Big Brother Awards besonders genau unter die
Lupe genommen. Dass es Regierungsmitglieder in der Kategorie "Politik" Jahr
für Jahr auf die Liste der meistgenannten Nominees schaffen, gehört bereits
zur Tradition der Big Brother Awards. In diesem Jahr finden sich neben
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel auch Innenministerin Liese Prokop und
Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat unter den Nominierten. Die FPÖ
Burgenland schlägt für Asylsuchende elektronische Fußfesseln vor, Beamte der
Datenschutzkommission im Bundeskanzleramt kontrollieren sich in einer
Doppelfunktion selbst und eine Gesundheitsdatenbank soll transparenten
Einblick in Patientendaten geben. Aber auch die Oppostion schläft nicht. So
hat sich SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer mit seinem Einsatz für die EU-weite
Datenspeicherung Big-Brother-verdächtig gemacht.
http://www.bigbrotherawards.at
In der Kategorie "Business und Finanzen" hat die Allgemeine
Assanierungsgesellschaft (ASSA) gute Chancen auf den Preis. Das auf
Schädlingsbekämpfung spezialisierte Unternehmen will Fingerabdrücke und DNA
der Mitarbeiter speichern, um ihnen schneller auf die Spur zu kommen, falls
ein Beschäftigter in einen Kriminalfall verwickelt wird. Die Drogeriekette
Schlecker hat sich die Überwachung ihrer Mitarbeiter zur Corporate Identity
gemacht und verfolgt detektivisch Toilettbesuche, Krankenstände und
persönliche Gegenstände. Soviel Engagement war 2004 schon einen Big Brother
Award in Deutschland wert. Hervorgetan haben sich auch die Wiener Linien, die
je U-Bahnzug 24 Kameras nachrüsten und so trotz sinkender Kriminalstatistik
eine Videothek für den Polizeibedarf erstellen. Ebenso in die engere Auswahl
kam die TIWAG. Der Tiroler Landesenergieversorger hat versucht, einen
Kraftwerkskritiker mundtot zu machen, ihm zunächst die Website abgedreht und
ihn weiters mit existenzbedrohenden Klagen eingedeckt.
Für die Kategorie "Behörden und Verwaltung" wurden u.a. nominiert: Die
Financial Action Task Force der G7, die Pensionsversicherungsanstalt, die
Innsbrucker Bürgermeisterin und der Wiener Polizeipräsident und sogar
Österreichs unabhängige Richter und Richterinnen. Immer öfter tauchen
Gerichtsbescheide in der Öffentlichkeit auf, welche die Auswertung von
Verkehrsdaten der Telkos unter fadenscheinigen und sogar illegalen Umständen
mit richterlicher Genehmigung gestatten. Da sind der Wiener Polizeipräsident
Peter Stiedl und die Bürgermeisterin von Innsbruck nicht weit, die mit
Überwachungsaktionen und Schutzzonen Drogenkranke quer durch die Stadt jagen.
Die Pensionsversicherungsanstalt vermerkt bei Überweisungen die Pflegestufe
und verhilft so im Bedarfsfall den Beziehern zu einer Abstufung im
Kreditranking. Und die Financial Task Force der G7 will zukünftig bei allen
Einzahlungen einen Ausweis der Kunden sehen.
In der Kategorie "Kommunikation" tritt der Hauptverband der
Sozialversicherungsträger gegen Big Player an: Amazon, Google, die Digital
Rights ("Restrictions") Management Allianz angeführt von Microsoft, die
Impressumspflicht für private Webseiten und die Hersteller des Online Games
"World of Warcraft". Die einst schlanke Suchmaschine hat sich zu einem
superreichen New-Age-Laden entwickelt, der mehr und mehr zu einer
Datamining-Maschine wird. Und der Pionier unter den Online-Buchhändlern
speichert nun zusätzlich zu Verkaufsdaten auch noch Click-Streams auf Jahre
hinaus - deutlich länger als sie für Abrechnung und Abwicklung bzw. Leistung
aus Reklamationen notwendig wären. Die Hersteller des Online Rollenspieles
"World of Warcraft" scannen alle laufenden Programme auf dem PC des
Anwenders. Dieser Frontalangriff auf private Daten bis hin zum Scan von
Verschlüsselungssoftware war der Jury eine Nachnominierung in letzter Sekunde
wert. Man darf gespannt sein, ob der Hauptverband der
Sozialversicherungsträger hier "konkurränzfähig" sein wird. Gemeinsam mit der
Ärztekammer wurde die gewinnorientierte Peering Point Gmbh (PPG) zur
zentralen Patientendatensammelstelle und zum Quasi-Monopolisten für
elektronische Arztdienstleistungen ausgebaut.
Nominierungen im Volltext: http://www.bigbrotherawards.at/2005/Nominierungen
Zum zweiten Mal nach dem Journalisten Peter Huemer haben die Veranstalter des
Big Brother Awards einen Positiv-Preis vergeben. Und zwar an das Europäische
Parlament, das trotz geballter Lobbymacht geschlossen gegen den Entwurf zur
Patentierbarkeit von Software und gegen die Weitergabe von Flugdaten gestimmt
hat. An sie geht der Preis Defensors Libertatis. Die Gewinner der
Hautpkategorien des Big Brother Awards werden erst zur Verleihung am 25.
Oktober 2005 um 21.00 Uhr im Wiener Rabenhof Theater bekannt gegeben.
http://www.bigbrotherawards.at/2005/Gala
VERANSTALTER der BIG BROTHER AWARDS AUSTRIA
Quintessenz - Verein zur Wiederherstellung der Bürgerrechte im
Informationszeitalter http://www.quintessenz.at
VIBE!at - Verein für Internet-Benutzer Österreichs http://www.vibe.at/
FFS - Verein zur Förderung Freier Software http://www.ffs.or.at/
DIE JURY-MITGLIEDER - http://www.bigbrotherawards.at/2005/Jury
Doris Kaiserreiner (Quintessenz)
Mag. iur. Ingmar Greil (VIBE!at)
Mag. iur. Georg Jakob (FFS)
Mag. iur. Alfred J. Noll (Verfassungsjurist)
Mag. iur. Birke Schönknecht (Rechtsanwältin)
Chris Haderer (Journalist)
Elisabeth Gardavsky (Journalistin)
Gerlinde Lang (Journalistin)
Karl Kollmann (AK Konsumentenschutz)
RÜCKFRAGEHINWEIS:
Doris Kaiserreiner +43-676-841786318
Christian Jeitler +43-699-19240377
E-Mail: office at quintessenz.org
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